In einem viralen TikTok-Video kritisierte ein 24-Jähriger, dass er nach einem „9-to-5“-Job inklusive Arbeitsweg kaum noch Zeit zum Leben habe. „Ihr wollt mir doch nicht ernsthaft sagen, dass das das Leben ist?“, fragte er.
Unter anderem kritisierte der bekannte Investor Frank Thelen diese Haltung vehement: Unser Wohlstand gehe kaputt, wenn man weniger arbeiten will.
Auch wenn ich Frank Thelen menschlich schätze, hier verwechselt er Arbeitszeit mit Wohlstand.
Wer einmal gesehen hat, wie Menschen in Entwicklungsländern vierzehn Stunden am Tag schuften, weiß, dass harte Arbeit allein noch nie Reichtum erzeugt hat, weder individuell noch volkswirtschaftlich.
Deutschland hat seinen Wohlstand nicht durch besonders lange Arbeitstage erlangt, sondern durch Innovation.
Ja, der technologische Vorsprung, nicht die Stechuhr, hat die Grundlage für unseren Wohlstand geschaffen.
Junge Menschen dafür zu kritisieren, dass sie Sinn, Flexibilität und Balance einfordern, ist rückwärtsgewandt.
Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn eine Generation sagt: „Ich will leben, nicht nur funktionieren.“
Im Gegenteil. Es ist ein kulturelles Korrektiv.
Die Lösung liegt also nicht darin, junge Menschen zu belehren, sondern ein neues Arbeitsmodell zu entwickeln, das Produktivität und Lebensqualität nicht gegeneinander ausspielt.
Ein Land, das seinen Wohlstand erhalten will, muss nicht härter arbeiten, sondern intelligenter.
Durch Automatisierung, Bildung, Technologie und eine Führungskultur, die Menschen befähigt statt verbrennt.
Wohlstand ist kein Zustand, den man mit mehr Stunden sichern kann.
Er ist das Ergebnis einer Gesellschaft, die klug genug ist, Zeit, Wissen und Menschlichkeit richtig zu kombinieren.